1002 – Cannabis als Medizin

Kirsten R. Müller-Vahl

Cannabis wurde über Jahrtausende in zahlreichen Kulturen als Heilmittel genutzt, geriet aber Anfang des 20. Jahrhunderts nahezu vollständig in Vergessenheit. Erst nachdem die chemische Struktur einzelner Cannabinoide identifiziert und ein endogenes Cannabinoid-System mit körpereigenen Liganden (so genannte Endocannabinoide) identifiziert werden konnte, nahm das Interesse an der therapeutischen Nutzung von Cannabis-basierten Medikamenten sprunghaft zu. Cannabis-basierte Medikamente entfalten ihre Wirkung überwiegend durch spezifische Effekte an zentralen (CB1) und peripheren (CB2) Cannabinoid-Rezeptoren. Es ist anzunehmen, dass sie ein breites therapeutisches Potenzial besitzen. Sie werden derzeit am häufigsten zur Behandlung von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Spastik bei Multipler Sklerose, neuropathischen Schmerzen und anderen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt. Allerdings ist die Studienlage bei vielen Anwendungsgebieten mangelhaft. Die Verträglichkeit Cannabis-basierter Medikamente gilt allgemein als gut. In Deutschland können aktuell mittels Betäubungsmittelrezept die Cannabis-basierten Medikamente Nabiximols, Nabilon, Dronabinol (Tetrahydrocannabinol, THC) und ein Cannabis-Vollextrakt verschrieben werden – sowie seit Inkrafttreten des neuen Cannabis-Gesetzes im März 2017 auch Medizinalcannabisblüten. Eine arzneimittelrechtliche Zulassung besteht allerdings nur für das Mundspray Nabiximols (Sativex®) für die Therapie der mittelschweren bis schweren Spastik bei Erwachsenen mit Multipler Sklerose (MS) und für Nabilon-Kapseln (Canemes®) zur Behandlung von erwachsenen Krebspatienten mit Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie.

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