1003 – Sucht und Traumatisierung bei geflüchteten Menschen

Ingo Schäfer

Viele Menschen, die in den letzten Jahren aufgrund von Krieg und Verfolgung in Europa Zuflucht gesucht haben, waren bereits in ihren Heimatländern massiven Belastungen ausgesetzt. Hinzu kommen die Belastungen der Flucht selbst und eine aktuell belastende Lebenssituation, die von einer ungewissen Zukunft und zahlreichen neuen Anforderungen geprägt ist. Bei geflüchteten Menschen findet sich deshalb eine hohe Prävalenz von psychischen Störungen. In Bezug auf die Posttraumatische Belastungsstörung ist dabei aufgrund der bislang vorliegenden Befunde von einer Häufigkeit von 16% bis 34% auszugehen. Internationale Studien zeigen, dass auch die Häufigkeit substanzbezogener Störungen in Flüchtlingspopulationen deutlich erhöht ist. Sucht kann bei Betroffenen bereits ein Teil ihrer Geschichte sein oder erst nach der Flucht eine Rolle spielen. Praxisberichte weisen darauf hin, dass sie dann oft in Zusammenhang steht mit Traumatisierungen und anderen Belastungen. Das deutsche Suchthilfesystem ist aktuell nur unzureichend auf die speziellen Bedarfe geflüchteter Menschen eingestellt. So fehlt es bislang an kultur- und zielgruppenspezifischen Konzepten für Prävention, Beratung, Diagnostik und Therapie, wobei auch die Folgen traumatischer Erfahrungen bei einem Teil der Betroffenen berücksichtigt werden müssen. Im Vortrag wird diskutiert, welche Konzepte zur Beratung und Behandlung von geflüchteten Menschen mit Posttraumatischen Störungen inzwischen außerhalb der Suchthilfe vorliegen und wie sie für das deutsche Suchhilfesystem nutzbar gemacht werden könnten.

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