1005 – Migration und Glücksspiel

Jens Kalke, Sven Buth

Aus Repräsentativbefragungen ist bekannt, dass Menschen mit Migrationshintergrund eine besondere Affinität zum Glücksspiel haben und insbesondere solche Spielformen favorisieren, die ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko beinhalten (Sportwetten, Automatenspiele). Beispielsweise findet sich unter türkischen Migrantinnen und Migranten ein überdurchschnittlich hoher Anteil von Personen mit einem problematischen bzw. pathologischen Spielverhalten. Gleichzeitig verweisen die Ergebnisse empirischer Studien darauf, dass die Raten der Inanspruchnahme von Hilfeangeboten sowie die Erfolgsquoten begonnener therapeutischer Maßnahmen reduziert sind. Welche Faktoren hierfür verantwortlich sind, ist bisher nur unzureichend untersucht worden. Befunde aus der Praxis legen nahe, dass neben soziokulturellen Charakteristika (etwa in den Domänen Gender, Sprache, Familie und Religion) insbesondere auch andere, kulturell geprägte Krankheitskonzepte eine bedeutsame Rolle spielen. Anzunehmen ist des Weiteren, dass die Zugehörigkeit zu speziellen ethnischen und religiösen Teilgruppen sowie soziodemografische und migrationsspezifische Attribute (Alter, Akkulturation, Migrationsgeneration) in der Behandlung von Migrantinnen und Migranten von hoher Relevanz sind. In diesem Übersichtsvortrag werden wichtige Befunde aus nationalen und internationalen Studien präsentiert. Abschließend wird ein Forschungsprojekt vorgestellt, das sich speziell mit Glücksspielproblemen unter türkischstämmigen Migrantinnen und Migranten beschäftigt.

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