1006 – Psychotherapie mit Migranten

Wielant Machleidt

Die kultursensible psychotherapeutische Arbeit mit Migranten ist für einheimische Therapeuten eine Herausforderung besonderer Art. Sie macht es erforderlich, die eigenen kulturbezogenen und in diesem Sinne „ethnischen“ therapeutische Techniken und Haltungen, in einer kulturkritischen Analyse in Frage zu stellen und sich anderen Kulturen und ihren Interaktionsmodi zu öffnen. Es geht im interkulturellen therapeutischen Dialog im wesentlichen um drei Dinge: um einen wechselseitigen kulturellen Wissens- und Verständniszugewinn, um eine Kulturgrenzen überschreitende Empathie und nicht zuletzt um das Erkennen und die Bearbeitung all der Widerstände, die dem Transformationsprozess, in dem das Fremde durch Entfremdung zum Eigenen und Vertrauten wird, entgegenstehen. Die Bewältigung der Anforderungen des Migrationsprozesses stellt eine neue „Runde“ in der Gewinnung von Autonomie im Individuationsprozess dar und führt als „kulturelle Adoleszenz“ zur Entwicklung einer neuen bi-kulturellen Identität.

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