1110 – Sucht ist ein soziales Geschehen: Droge, Mensch, Gesellschaft

Gerrit Kamphausen

Suchtbegriffe und Behandlung sind auf die negativen Aspekte der Drogenwirkung und das individuelle Verhalten der einzelnen KonsumentInnen bezogen. Die Wirkung wird dabei als unkontrollierbar und als Auslöser der Sucht gesehen und das Verhalten der NutzerInnen als generell defizitär betrachtet. Gesellschaftliche Aspekte der Sucht, z.B. das gesetzliche Drogenverbot und das Abstinenzgebot als alleiniges Behandlungsziel, werden allzu oft ausgeblendet. Das Seminar Droge-Mensch-Gesellschaft bringt alle drei Kategorien näher zueinander, um die Wertungen des Defizitansatzes zu umgehen. Eine Droge wird nach ihrer pharmakologischen Wirkung verstanden, also z.B. ob sie eine zelluläre Toleranz erzeugt. Der Mensch wird als handelndes Wesen begriffen, welches eine solche Droge einnimmt und davon ggf. süchtig wird. Die Gesellschaft wird als Rahmenkategorie verstanden. Dieser Ansatz dient der Überwindung der inhaltlichen Schwächen des Defizitansatzes. Er ist auch im Sinne einer interdisziplinären Drogenwissenschaft zu verstehen, welche Alternativen für die Praxis und die Politik aufzeigen kann.

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