1302 – Anticravingmittel in der Behandlung der Alkoholabhängigkeit

Christian Haasen

Die Behandlung der Alkoholabhängigkeit konzentrierte sich über viele Jahre auf das Erlangen (Entzugsbehandlung) und Erhalten (Entwöhnungsbehandlung) einer Abstinenz, in der die Entzugsbehandlung als medizinische Aufgabe von den Krankenkassen und die Entwöhnungsbehandlung als Rehabilitationsmaßnahme von den Rentenversicherungen getragen wurde. Aufgabe aller Professionellen war es, die Betroffenen zu dieser Behandlungskette zu motivieren – dennoch wurde nur ein kleiner Teil aller Alkoholabhängigen dadurch erreicht. Die Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten durch den Einsatz von Anticravingmitteln eröffnet die Möglichkeit, bisher durch das Suchthilfesystem nicht erreichte Alkoholabhängige für eine Behandlung zu gewinnen. Dabei hat sich Naltrexon, welches für die Rückfallprophylaxe der Alkoholabhängigkeit zugelassen ist, als eines der wichtigsten Anticravingmittel etabliert, während das erste zugelassene Mittel in Deutschland – Acamprosat – sich kaum durchsetzen konnte. Die Zulassung des Opiatantagonisten Nalmefen für die Reduktion des Alkoholkonsums sorgt für einen Paradigmenwechsel in der Behandlung der Alkoholabhängigkeit, weil erstmals nicht nur Abstinenz als Behandlungsziel benannt wird. Für viel mediales Aufsehen sorgt die Zulassung von Baclofen in Frankreich, welches in Deutschland nur im Rahmen eines individuellen Heilversuchs eingesetzt werden darf. Erfahrungen mit den vier Anticravingmittel werden dargestellt.

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