22. Suchttherapietage in Hamburg

vom 06. bis 09. Juni 2017

Schwerpunkt: Migrationsspezifische Aspekte süchtigen Verhaltens

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es gibt viele Gründe, die Menschen dazu bewegen, ihre Heimat zu verlassen und in anderen Teilen der Welt Zuflucht zu suchen. Zu den häufigsten zählen politische Instabilität, Krieg und Verfolgung. Viele der Menschen, die in den vergangenen Jahren nach Europa gekommen sind waren deshalb bereits vor der Flucht massiven Belastungen ausgesetzt. Hinzu kommen die Strapazen der Flucht selbst und eine belastende Lebenssituation im Aufnahmeland die von einer ungewissen Zukunft und zahlreichen neuen Anforderungen geprägt ist. Bei anderen Gruppen von Migranten, etwa aus Südosteuropa, geben eher wirtschaftliche Gründe den Ausschlag für die Entscheidung zu migrieren. Die Belastungen nach der Migration, etwa durch die Trennung von Angehörigen, den Verlust von Status oder Diskriminierungserfahrungen, sind dabei zumindest teilweise dieselben. Auch süchtiges Verhalten bei Migranten weist verschiedene Facetten auf. So kann Sucht bei Betroffenen bereits ein Teil ihrer Geschichte sein, der sie in das Aufnahmeland begleitet. Auch kulturelle Unterschiede im Umgang mit Substanzen können dabei eine Rolle spielen etwa Opiatgebrauch als Teil der Alltagskultur in manchen Ländern. Andere Menschen sind stark durch traumatische Erfahrungen im Herkunftsland oder auf der Flucht belastet und dadurch anfälliger für süchtiges Verhalten. Schließlich kann, besonders vor dem Hintergrund einer allgemein belastenden Lebenssituation, bereits die hohe Verfügbarkeit von Alkohol und anderen Substanzen in Deutschland eine Herausforderung für Menschen darstellen, die einen anderen kulturellen Umgang mit Suchtmitteln kennen. Das deutsche Suchthilfesystem ist aktuell nur unzureichend auf die speziellen Bedarfe dieser und weiterer Gruppen von Migranten eingestellt. So fehlt es bislang an kultur- und zielgruppenspezifischen Konzepten für Prävention, Beratung, Diagnostik und Therapie, wobei bisherige Erfahrungen, etwa mit Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion oder der Türkei, dabei wichtige Ansatzpunkte liefern könnten. Die 22. Hamburger Suchttherapietage werden einen Rahmen bieten, die unterschiedlichen Facetten einer migrationsspezifischen Arbeit in der Suchthilfe zu diskutieren, mit einem besonderen Fokus auf die neuen Entwicklungen und Herausforderungen, vor die sie aktuell dabei gestellt ist.

 

Wie immer werden darüber hinaus auch zahlreiche weitere Themen das Spektrum der Hamburger Suchttherapietage ausmachen. Sie sind ein jährlich wiederkehrendes Forum für die Fort- und Weiterbildung mit unterschiedlichen Veranstaltungsformen wie Vorlesungen, Seminaren, Kursen und Übungen. Dabei steht der Weiterbildungsaspekt, die Berufsgruppen übergreifende Qualifikation im Arbeitsfeld und die Entwicklung der eigenen Praxis im Vordergrund. Der Blick soll  auch über die unmittelbare praktische Arbeit hinausgehen: Gesellschaftliche und kulturelle Rahmenbedingungen, theoretische Aspekte, integrierte Behandlungsansätze oder neue suchtpräventive Strategien stehen hierfür als Beispiel. Die Veranstaltungen werden von Angehörigen aller in der Suchtarbeit tätigen Berufsgruppen, wie Sozialarbeitern, Pädagogen, Ärzten, Psychologen und Pflegekräften durchgeführt. Dabei sind verschiedene wissenschaftliche Disziplinen die sich mit dem Thema Sucht befassen, wie Psychologie, somatische und psychiatrische Medizin, Pädagogik, Soziologie, Kriminologie und Gesundheitswissenschaften beteiligt.

 

Zu den 22. Suchttherapietagen möchten wir Sie herzlich nach Hamburg einladen – als Expertinnen und Experten oder interessierte und kritische Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

 

Für die Veranstalter

Ingo Schäfer, Christian Haasen