Freitag 10.45-12.15

1110 – Sucht ist ein soziales Geschehen: Droge, Mensch, Gesellschaft

Gerrit Kamphausen Suchtbegriffe und Behandlung sind auf die negativen Aspekte der Drogenwirkung und das individuelle Verhalten der einzelnen KonsumentInnen bezogen. Die Wirkung wird dabei als unkontrollierbar und als Auslöser der Sucht gesehen und das Verhalten der NutzerInnen als generell defizitär betrachtet. Gesellschaftliche Aspekte der Sucht, z.B. das gesetzliche Drogenverbot und das Abstinenzgebot als alleiniges Behandlungsziel, […]



1114 – Suchtmittelgesetz: Handhabung und Erfahrungen aus Österreich

Ewald Höld, Semrin Leidenfrost-Mordag Im ISD Wien werden für die Gesundheitsbehörde wesentliche Aufgaben des Vollzuges des Suchtmittelgesetzes durchgeführt. Es sind dies die Erstdiagnostik, die Motivation für und die Durchführung der gesundheitsbezogenen Maßnahmen, teils im Institut und teils durch Zuweisung zu KooperationspartnerInnen. Über 2/3 der Anzeigen werden auf diese Art und Weise bearbeitet. Besondere Gruppen sind […]



1314 – Legal – überall erhältlich – bereits beim Erstkonsum potenziell tödlich: Schnüffelstoffe

Heinrich Elsner Schnüffelstoffe sind sogenannte Einstiegsdrogen und werden bereits im Kindes- und Jugendalter konsumiert. Sie sind preiswert, ohne Dealer zu erhalten und in den (üblichen) Drogenscreenings nicht nachweisbar. Aus letzterem Grund werden sie auch bevorzugt genutzt in Settings mit hohem Überwachungs- bzw. Kontrollgrad, z.B. in Psychiatrien, in Suchtfachkliniken etc.. Das Seminar will zu diesen unbekannten […]



1330 – Prävention durch Prohibition? Die Tabakkontrolle am Scheideweg

Dietmar Jazbinsek Seit Inkrafttreten der Rahmenkonvention der WHO im Jahr 2003 war die weltweite Tabakkontroll-Bewegung noch nie so gespalten wie heute. Denn obwohl viele damals beschlossene Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums umgesetzt wurden, raucht in den westlichen Industriestaaten immer noch rund ein Fünftel der erwachsenen Bevölkerung. Zu der Frage, wie es weitergehen soll mit der […]



1516 – Best practice Methoden und Schwerpunktthemen in der Beratung geflüchteter Menschen

Andrea Piest, Panagiotis Stylianopoulos Der Zuwachs von Zuflucht suchenden Menschen der letzten drei Jahre forderte eine Reaktion auf die spezifischen Bedarfe dieser Zielgruppe auch von Seiten der Suchthilfe. Der Notdienst Berlin e.V. baute Mitte 2016 das überregionale Angebot Guidance: Suchtberatung für Geflüchtete auf. Guidance ist an den Drogennotdienst, einer niederschwelligen berlinweit tätigen Beratungsstelle, angegliedert. Betroffene […]



1522 – Substanzbezogene Trainingsprogramme für Substituierte in psychosozialer Betreuung

Bernd Westermann Noch immer sind über opiatabhängige Menschen Mythen in Umlauf: Ausnahmslos alle würden „Beigebrauch“ praktizieren, das sei halt nicht zu ändern. Abstinenz hätten PatientInnen und Behandelnde in stiller Übereinkunft völlig aus dem Blick verloren. Sie anzustreben, gilt manchem sogar als Körperverletzung, mindestens fahrlässig, also unverantwortbar. Die Wirklichkeit unterscheidet sich erheblich von dieser Fiktion. Man […]



1628 – Psychotherapie und Substitution – Durch Ressourcenaufbau Resilienz stärken und Rückfallrisiken mindern

Angelika Koshal Die ACE-Studie (Adversive Childhood-Experiences) von Felitti et al., 2000, weist nach, dass die Häufung problematischer Erlebnisse in Kindheit und Jugend das Risiko einer späteren Suchterkrankung deutlich erhöhen: Je mehr Belastungsfaktoren, desto höher das Risiko. Die Ergebnisse der Resilienzforschung (Emmy Werner, 1999) wiederum verdeutlichen, dass durch ein gezieltes Training fehlende Resilienzfaktoren aufgebaut werden können. […]



1636 – Integrated Duals disorder treatment – Integrierte Behandlung bei Patienten mit Doppeldiagnose

Hella Schulte-Wefers In den vergangenen Jahren hat das gleichzeitige Auftreten von Abängigkeitserkrankungen und komorbiden psychischen Störungen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Das Doppeldiagnosezentrum in Den Haag/ Niederlande bietet für diese Zielgruppe ein Spezialprogramm mit integrativem Ansatz: Integrated Dual Disorder treatment (IDDT). IDDT liegt die Methode des Motivational Interviewing (MI) und das Phasenmodell einer Verhaltensänderung von Prochaska […]



1712 – Selbstverletzendes Verhalten von Jungs und jungen Männern

Harry Friebel Viele Jungs ritzen sich. Trotzdem findet dieses Phänomen in den medizinisch-therapeutischen Diskursen sehr wenig Beachtung: Der Junge darf aggressiver Täter sein; autoaggressives Opfer aber nicht. Jungen „ritzen“ sich, um Kontrolle – zumindest über ihren Körper – zu bewahren. Es geht darum, jenseits von pauschaler Pathologisierung den Jungs Gelegenheit zur Biografie- und Erinnerungsarbeit zu […]