17. Suchttherapietage in Hamburg
Kategorie: Allgemeinvom 29. Mai bis 01. Juni 2012
Schwerpunktthema: Sucht und Politik
Veranstaltungsort: Universität Hamburg, Von-Melle-Park 8, 20146 Hamburg (Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft)
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Drogen- und Suchtpolitik ist der politische Bereich, der sich mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Zugangs zu psychotropen Substanzen und des Umgangs mit sozialen wie persönlichen Folgeproblemen befasst. Unter den suchtpolitischen Themen hat es in den letzten Jahren eine Verschiebung gegeben: Polarisierende Themen wie Belastungen durch offene Drogenszenen, der „Staat als Dealer“ oder Konsumräume, die den Drogengebrauch vermeintlich fördern, sind nicht verschwunden, aber stehen aktuell nicht mehr im Mittelpunkt gesundheitspolitischer Diskussionen und sind auch keine Wahlkampfthemen mehr. Schadensmindernde Ansätze in der Suchthilfe haben sich gesellschaftlich etabliert, es erfolgte die Ausweitung und Differenzierung der Substitutionstherapie u.a. mit der Einführung der Diamorphinbehandlung und eine Ausweitung der Substitution in Haftanstalten. Dennoch, Probleme wie die soziale Isolation, die mangelnden Integrationsmöglichkeiten, die Behandlung psychiatrischer und somatischer Komorbidität oder die Versorgungsprobleme älterer, multimorbider Drogenabhängiger sind nicht gelöst. Auch wenn die „klassischen“ illegalen Drogen gesundheitspolitisch aktuell an Relevanz eingebüßt zu haben scheinen, kann der Konsum illegaler Drogen und die damit verbundenen Probleme jederzeit wieder in den Vordergrund rücken.
Neue Sucht-Themen wie die Regulierung des Konsums legaler Substanzen stehen derzeit im Mittelpunkt: So gibt es breite gesellschaftliche Diskussionen um den Nichtraucherschutz und das Gesetz „Zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens“, dessen Umsetzung durch Rauchverbote und jeweilige Länderregelungen in der Gastronomie, teilweise mit Volksentscheiden, nach wie vor auf der politischen Tagesordnung steht. Jenseits der teilweise ideologisierten Auseinandersetzungen verdeutlicht dieses Beispiel die Möglichkeiten von politischer Regulation mit hoher gesellschaftlicher Akzeptanz und der Veränderung des soziokulturellen Klimas des Tabakkonsums.
Einen weiteren Versuch der politischen Neuregelung gibt es im Bereich des Glücksspiels. Die geplanten Änderungen des 2011 auslaufenden Glücksspiel-Staatsvertrags mit neuen Auflagen beim gewerblichen Spiel und die kontrollierte Öffnung des Sportwettenmarktes bzw. des Internetangebots von Casinospielen versuchen die Aufrechterhaltung des staatlichen Monopols, den Spielerschutz und die Attraktivität des Angebots zu integrieren. Inwieweit das gelingt, ist noch offen.
Suchtpolitik hat sich ausdifferenziert und ist pragmatischer geworden. Die genannten Aspekte sowie neue Initiativen und konzeptionelle Fragen in der Alkoholpolitik, im Bereich genereller Prävention, der Risikoprävention für spezielle Gruppen sowie der Suchtkrankenhilfe und Selbsthilfe stehen auf den Suchttherapietagen 2012 im Mittelpunkt.