vom 06. bis 90. Juni 2017
Schwerpunkt: Migrationsspezifische Aspekte süchtigen Verhaltens

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es gibt viele Gründe, die Menschen dazu bewegen, ihre Heimat zu verlassen und in anderen Teilen der Welt Zuflucht zu suchen. Zu den häufigsten zählen politische Instabilität, Krieg und Verfolgung. Viele der Menschen, die in den vergangenen Jahren nach Europa gekommen sind waren deshalb bereits vor der Flucht massiven Belastungen ausgesetzt. Hinzu kommen die Strapazen der Flucht selbst und eine belastende Lebenssituation im Aufnahmeland die von einer ungewissen Zukunft und zahlreichen neuen Anforderungen geprägt ist. Bei anderen Gruppen von Migranten, etwa aus Südosteuropa, geben eher wirtschaftliche Gründe den Ausschlag für die Entscheidung zu migrieren. Die Belastungen nach der Migration, etwa durch die Trennung von Angehörigen, den Verlust von Status oder Diskriminierungserfahrungen, sind dabei zumindest teilweise dieselben. Auch süchtiges Verhalten bei Migranten weist verschiedene Facetten auf. So kann Sucht bei Betroffenen bereits ein Teil ihrer Geschichte sein, der sie in das Aufnahmeland begleitet. Auch kulturelle Unterschiede im Umgang mit Substanzen können dabei eine Rolle spielen etwa Opiatgebrauch als Teil der Alltagskultur in manchen Ländern. Andere Menschen sind stark durch traumatische Erfahrungen im Herkunftsland oder auf der Flucht belastet und dadurch anfälliger für süchtiges Verhalten. Schließlich kann, besonders vor dem Hintergrund einer allgemein belastenden Lebenssituation, bereits die hohe Verfügbarkeit von Alkohol und anderen Substanzen in Deutschland eine Herausforderung für Menschen darstellen, die einen anderen kulturellen Umgang mit Suchtmitteln kennen. Das deutsche Suchthilfesystem ist aktuell nur unzureichend auf die speziellen Bedarfe dieser und weiterer Gruppen von Migranten eingestellt…