Archiv vergangener Veranstaltungen

Die 21. Suchttherapietage fanden vom 17. bis 20. Mai 2016 zum Schwerpunktthema Diagnose – Hilfe oder Etiket? statt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Vielfalt diagnostischer Ansätze im Suchtbereich wächst durch immer neue Verfahren ständig an. Dazu gehören Screenings im Bereich von Epidemiologie, Frühintervention und Versorgungsplanung ebenso wie Klassifikationssysteme zu Verwaltungszwecken oder Instrumentarien zur differentiellen Therapiezuweisung, zur Steuerung des therapeutischen Prozesses und zur Erfolgsbeurteilung in Katamnesen. Sie verändern sich mit neuen krankheitstheoretischen Modellvorstellungen und therapeutischen Methoden, sind von Interessen auf Anbieter- und Politikerseite sowie von Ressourcen und technischen Entwicklungen bestimmt. Der Anspruch einer umfassenden Diagnostik in bio-psycho-sozialen Modellen scheint mittlerweile durch unbegrenzte Speicherkapazitäten einlösbar, kann aber auch in unüberschaubare Datensammlungen ohne Nutzen für die Kranken münden. Die Forderung nach Evidenzbasierung verlangt nach Standardisierung und Zusammenfassung, das hoch individuelle Krankheitsgeschehen dagegen nach Flexibilität und Variabilität in der therapeutischen Begegnung. Bei den häufigen chronischen Verläufen wird immer wieder neu dokumentiert, ermüdend für Patienten und Behandler. Eine Zusammenführung von Daten bringt wiederum ihre eigenen Vor- und Nachteile mit sich. Die Verfeinerung und Ausweitung standardisierter Diagnosen schließlich, wie zuletzt anlässlich der Einführung des DSM 5 kritisch diskutiert, birgt ein Risiko für stigmatisierende Etikettierung und vorschnelle Pathologisierung unangepasster, jedoch nicht krankhafter Verhaltensweisen. Auch 2016 haben zahlreiche weitere Themen das Spektrum der 21. Hamburger Suchttherapietage ausgemacht.

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Die 20. Suchttherapietage fanden vom 26. bis 29. Mai 2015 zum Schwerpunktthema 20 Jahre Suchttherapietage – Neue Entwicklungen und Horizonte in der Suchthilfe statt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Ziel der 20. Hamburger Suchttherapietage ist es, neue Entwicklungen in Bezug auf die Behandlung, Beratung und Prävention in Bezug auf verschiedenen Suchtprobleme und neue Horizonte – im erweiternden und begrenzenden Sinne – zu beleuchten.

Waren vor 20 Jahren die meisten erstauffälligen Konsumenten illegaler Drogen junge Opiatabhängige, so müssen Präventions-, Beratungs- und Therapieangebote sich heute noch stärker auf die höheren Zahlen von Amphetamin- und Cannabiskonsumenten beziehen. Hinzu treten exzessive Mediennutzung und Glückspielsucht sowie Suchtprobleme im Alter. Neue Substanzen, Konsumtrends und Konsumentengruppen, aber auch neue Diagnostiksysteme wie das DSM-5 und das bevorstehende ICD 11 erfordern Anpassungen von Beratung- und Therapiekonzepten. Eine Verständigung über Qualitätssicherung und Evidenzbasierung der Suchtprävention steht genauso wie ein angemessener Mix aus Verhaltens- und Verhältnisprävention auf der Tagesordnung. Die 20. Hamburger Suchttherapietage sollen es ermöglichen, sich über diese und ähnliche Fragen zu informieren, Erfahrungen auszutauschen, Perspektiven zur Weiterentwicklung und zum Ausbau geeigneter Angebote und Kooperationen kreativ und kritisch zu beraten.

Erneut haben zahlreiche weitere Themen das Spektrum der 20. Hamburger Suchttherapietage ausgemacht.

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Die 19. Suchttherapietage fanden vom 10. bis 13. Juni 2014 zum Schwerpunktthema Eltern – Kinder – Sucht statt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Ziel der 19. Hamburger Suchttherapietage war es, die vielschichtigen Probleme und möglichen Hilfen zu beleuchten, die sich bei Suchtgefährdungen und manifesten Suchtproblemen zwischen Eltern und Kindern ergeben können.

Wenn ein Mitglied oder mehrere in einer Familie Suchtprobleme haben, führt dies fast immer auch zu Konflikten innerhalb der Familie und zu Problemen bei den anderen Familienmitgliedern. Deshalb soll nicht nur das brisante Thema „Schutz des Kindeswohles“ bei Kindern abhängigkeitserkrankter Eltern bearbeitet werden, das in den letzten Jahren in der öffentlichen Diskussion die anderen Problemlagen weitgehend verdrängt hat. Auch Möglichkeiten selektiver Prävention für die Kinder suchtkranker Eltern und Angebote für Eltern suchtgefährdeter, suchtkranker und Drogen konsumierender Kinder und Jugendlicher sollen dargestellt und diskutiert werden. Suchtprävention und Suchthilfe bieten viele spezifische Unterstützungs-, Beratungs- und Therapieangebote für diese Probleme an. Zugleich macht kaum ein anderes Thema im Suchtbereich deutlicher, dass eine Zusammenarbeit mit anderen Hilfesystemen, etwa der Jugendhilfe, dringend notwendig ist um betroffene Familien angemessen zu begleiten. Die 19. Hamburger Suchttherapietage sollten es ermöglichen, sich über diese und ähnliche Fragen zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und Perspektiven zur Weiterentwicklung und zum Ausbau geeigneter Angebote und Kooperationen zu entwickeln.

Wie immer haben auch zahlreiche weitere Themen das Spektrum der Hamburger Suchttherapietage ausgemacht.

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Die 18. Suchttherapietage fanden vom 21. bis 24. Mai 2013 zum Schwerpunktthema Aktuelle Herausforderungen für Suchtbehandlung und -prävention statt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Mittelpunkt der 18. Hamburger Suchttherapietage standen Herausforderungen, denen sich verschiedene Felder der Suchtbehandlung und -prävention aktuell stellen müssen.

 

Themen, die bereits seit längerem im Zentrum der Suchtarbeit stehen, haben sich in den vergangenen Jahren weiter zugespitzt. Dies betrifft etwa den Schutz des Kindeswohls in Familien mit Suchtproblemen, den Umgang mit neuen Formen süchtigen Verhaltens, aber auch mit Gruppen von Klienten, die besondere Behandlungsbedarfe aufweisen. Dabei entwickeln sich die verfügbaren therapeutischen Ansätze kontinuierlich weiter, so dass die Suchthilfe immer wieder vor die Entscheidung gestellt ist, welche neuen Behandlungs- und Beratungsansätze auch in die Arbeit mit Suchtkranken integriert werden sollten. Aktuelle Beispiele sind achtsamkeitsbasierte und meditative Verfahren sowie alternative Wege, Personen mit Suchtproblemen zu erreichen, etwa mithilfe des Internets und anderer Medien. Schließlich wurden grundsätzliche Fragen in der Suchtarbeit in den letzten Jahren immer deutlicher gestellt, etwa bezogen auf das immer noch vorherrschende Abstinenzparadigma oder das Ungleichgewicht zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention.
Neben den oben genannten Themen haben zahlreiche weitere das Spektrum der Hamburger Suchttherapietage ausgemacht.

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Die 17. Suchttherapietage fanden vom 29. Mai bis 01. Juni 2012 zum Schwerpunktthema Sucht und Politik statt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Drogen- und Suchtpolitik ist der politische Bereich, der sich mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Zugangs zu psychotropen Substanzen und des Umgangs mit sozialen wie persönlichen Folgeproblemen befasst. Unter den suchtpolitischen Themen hat es in den letzten Jahren eine Verschiebung gegeben: Polarisierende Themen wie Belastungen durch offene Drogenszenen, der „Staat als Dealer“ oder Konsumräume, die den Drogengebrauch vermeintlich fördern, sind nicht verschwunden, aber stehen aktuell nicht mehr im Mittelpunkt gesundheitspolitischer Diskussionen und sind auch keine Wahlkampfthemen mehr.

Programmheft 2012

Schadensmindernde Ansätze in der Suchthilfe haben sich gesellschaftlich etabliert, es erfolgte die Ausweitung und Differenzierung der Substitutionstherapie u.a. mit der Einführung der Diamorphinbehandlung und eine Ausweitung der Substitution in Haftanstalten. Dennoch, Probleme wie die soziale Isolation, die mangelnden Integrationsmöglichkeiten, die Behandlung psychiatrischer und somatischer Komorbidität oder die Versorgungsprobleme älterer, multimorbider Drogenabhängiger sind nicht gelöst. Auch wenn die „klassischen“ illegalen Drogen gesundheitspolitisch aktuell an Relevanz eingebüßt zu haben scheinen, kann der Konsum illegaler Drogen und die damit verbundenen Probleme jederzeit wieder in den Vordergrund rücken.
Neue Sucht-Themen wie die Regulierung des Konsums legaler Substanzen stehen derzeit im Mittelpunkt: So gibt es breite gesellschaftliche Diskussionen um den Nichtraucherschutz und das Gesetz „Zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens“, dessen Umsetzung durch Rauchverbote und jeweilige Länderregelungen in der Gastronomie, teilweise mit Volksentscheiden, nach wie vor auf der politischen Tagesordnung steht. Jenseits der teilweise ideologisierten Auseinandersetzungen verdeutlicht dieses Beispiel die Möglichkeiten von politischer Regulation mit hoher gesellschaftlicher Akzeptanz und der Veränderung des soziokulturellen Klimas des Tabakkonsums.
Einen weiteren Versuch der politischen Neuregelung gibt es im Bereich des Glücksspiels. Die geplanten Änderungen des 2011 auslaufenden Glücksspiel-Staatsvertrags mit neuen Auflagen beim gewerblichen Spiel und die kontrollierte Öffnung des Sportwettenmarktes bzw. des Internetangebots von Casinospielen versuchen die Aufrechterhaltung des staatlichen Monopols, den Spielerschutz und die Attraktivität des Angebots zu integrieren. Inwieweit das gelingt, ist noch offen.
Suchtpolitik hat sich ausdifferenziert und ist pragmatischer geworden. Die genannten Aspekte sowie neue Initiativen und konzeptionelle Fragen in der Alkoholpolitik, im Bereich genereller Prävention, der Risikoprävention für spezielle Gruppen sowie der Suchtkrankenhilfe und Selbsthilfe stehen auf den Suchttherapietagen 2012 im Mittelpunkt.

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Die 16. Suchttherapietage fanden vom 14. bis 17. Juni 2011 zum Schwerpunktthema Selbstheilung statt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Wissenschaftliche Untersuchungen sowie Alltagserfahrung verweisen darauf, dass es viele Süchtige schaffen, ihr Problemverhalten ohne professionelle Hilfe zu überwinden. Beim Zigarettenrauchen stellt die Selbstheilung den üblichen und gut dokumentierten Ausstiegsweg dar – nach Schätzungen und in Abhängigkeit von der Definition von „Behandlung“ sind dies 80 bis 90 Prozent der ehemaligen Raucher. Aber Selbständerung ist auch relevant für remittierte Alkoholabhängige, von denen nach Untersuchungen mehr als die Hälfte keinerlei Kontakt zum Suchthilfesystem oder zum praktischen Arzt bezüglich ihres pathologischen Konsums gesucht hatten. Dass eine remittierte Alkoholabhängigkeit in der Bundesrepublik bei 3,2 Millionen Personen vorliegt, verweist auf die Relevanz von Selbstheilung, natürlicher Heilung, Spontanremission oder Herauswachsen.

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Die offenbare Relevanz von Selbstheilungs- oder änderungsprozessen relativiert ein deterministisches Krankheitsverständnis (ohne Behandlung mit fatalistischem Verlauf) ebenso wie die Verabsolutierung der Abstinenz als alleinigen Weg der Überwindung der Abhängigkeit.

Trotz der offenbaren Bedeutung der Selbstheilungsperspektive für therapeutische Interventionen wie für Prävention sind die beteiligten Prozesse zu wenig untersucht. Neuere Studien verweisen auf „Änderungsmotivation“ und fortlaufende „kognitive Abwägungsprozesse“ (im Unterschied zu auslösenden Einzelereignissen) als zentrale Elemente bzw. Motor des Selbstveränderungsprozesses.

Im Rahmen von „Stepped Care“ Behandlungsansätzen besteht der Versuch der systematischen Integration klinischer und therapeutischer Implikationen der genannten Befunde. Offenbar bestehen bei Selbstveränderungsprozessen neben den innerpsychischen Abläufen auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen (wie Alltagskonzepte zur Sucht und ihrer Änderbarbeit, Suchtpolitiken), die in der Prävention und Gesundheitsförderung berücksichtigt werden können.

Der neueste Wissensstand zu Selbstheilung und die Fragen der Konsequenzen für Behandlung und Prävention stehen auf den Suchttherapietagen 2011 im Mittelpunkt.

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Die 15. Suchttherapietage fanden vom 25. bis 28. Mai 2010 zum Schwerpunktthema Sucht und Gewalt statt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Sucht und Gewalt“ treten nicht nur oft gemeinsam auf, sondern verstärken sich vielfach gegenseitig. Der Zusammenhang beginnt nicht erst bei Abhängigkeit. Schon der exzessive Gebrauch etwa von Alkohol erhöht erfahrungsgemäß auch schon im Jugendalter das Auftreten von Gewaltverhalten.

Mehr als ein Drittel der Männer in der Alkoholbehandlung übten Gewalt in Verbindung mit übermäßigem Konsum aus. Fast zwei Drittel der drogenabhängigen Frauen waren in ihrem Leben neben körperlicher auch sexueller Gewalt ausgesetzt.
Bei Gewalt handelt es sich (im Unterschied zu Aggressionen) um direkte physische und psychische Schädigung anderer Personen (oder Sachen). Die gewalttätigen Handlungen richten sich dabei meist gegen schwächere und unterlegene Personen – im Alltag vor allem gegen Frauen und Kinder. Dabei verfestigen sich Muster von Gewalthandeln und Gewalterfahrungen und Suchtmittelkonsum in Milieus teilweise über Generationen.

Suchtbehandlung und Prävention tritt gegen das Übersehen, die Tabuisierung und Verharmlosung von Gewalt in allen Erscheinungsformen, insbesondere auch von häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen an. Dabei gibt es verschiedene Verständnisweisen der Beziehung zwischen Suchtproblemen einerseits und Gewalt bzw. Gewalterfahrung andererseits. Alkohol z.B. „erzeugt“ vermutlich keine Aggressionen – wirkt aber als Katalysator auslösend. Abhängigkeit als übersteigerte, exzessives Streben nach bestimmten Erfahrungen definiert sich auch über Probleme der Selbststeuerung und Kontrolle, eingeschränkte Selbstwahrnehmung und erleichtert damit Grenzüberschreitungen. Zudem werden möglicherweise rauschartige Aspekte von Gewalt durch psychoaktive Substanzen verstärkt. Und schließlich sind traumatische Verletzungen von Selbstachtung und ein Mangel an Kompetenzen zur Stress- und Konfliktbewältigung oft Ursachen für gewalttätiges Verhalten sowie exzessiven oder suchtriskanten Konsum legaler und illegaler Drogen. Hieraus ergeben sich Schnittmengen für Prävention, Beratung und Therapie.
Auch bei den Gewaltopfern spielen psychoaktive Substanzen eine wichtige Rolle. In der biographischen und aktuellen Verarbeitung traumatischen Erfahrungen haben Suchtmittel einen hohen Stellenwert. Teilweise richten Opfer Gewalt gegen sich selbst in Form selbstverletzenden Verhalten oder erhöhter Suizidalität. Bei den Tätern werden Schuld und Scham infolge des Gewalthandelns mit erhöhtem Konsum verarbeitet.

Die verschiedenen Facetten der Spirale von Sucht und Gewalt, die besondere Bedeutung bestimmter Substanzen und Konsummuster, Modelle zum Verständnis, Interventionen für die Opfer und Täter im Bereich der Behandlung sowie Schnittmengen der Gewalt- und Suchtprävention stehen auf den Suchttherapietagen 2010 im Mittelpunkt.